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Früh erlebtes Leid beschleunigt die Gehirnentwicklung

© StefanieB_Fotolia.com

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Das Gehirn reagiert bei Kleinkindern auf auftretende Probleme zwar mit Anpassung durch Neuroplastizität. Langfristig kann dies der Psyche der Kinder aber auch erheblich schaden.

Forscher des Singapore Institute for Clinical Sciences haben einen Zusammenhang zwischen früh erlebtem Leid und der Geschwindigkeit bei der Entwicklung des Gehirns nachgewiesen (siehe Nature Mental Health, online seit 4.1.2024). Dafür wurden Neuroimaging-Daten der groß angelegten Kohorte namens „Growing Up in Singapore Towards healthy Outcomes" (GUSTO) ausgewertet. Diese zeigen, dass eine erhöhte Belastung mit Widrigkeiten im frühen Leben (early-life adversity = ELA) in den Jahren vor dem Schulbesuch zur Beschleunigung der Entwicklung des Gehirns führt.

Hat eine Mutter während der Schwangerschaft psychische oder körperliche Probleme, entwickelt sich das Gehirn des Kindes schneller, um sich an diese widrigen Umstände anzupassen, so die Experten. Diese Beschleunigung kann in der Folge allerdings auch zu einem höheren Risiko für schwere depressive Störungen führen.

Um die Geschwindigkeit der Entwicklung des Gehirns während der Kindheit zu modellieren, wurden multimodale MRT-Scans der GUSTO-Kohorte ausgewertet. Diese Scans wurden bei 549 Kindern im Alter von 4,5, 6 und 7,5 Jahren durchgeführt. Da die meisten psychischen Erkrankungen ihren Ursprung auch in der Kindheit haben, werden diese Werte als sehr relevant angesehen.

Die Fachleute haben einen Maßstab eingesetzt, der die strukturelle und funktionelle Konnektivität des Gehirns kombiniert, um Einblicke in den Zusammenhang zwischen der Gehirnstruktur und der -funktion darzustellen. Der Messwert SC-FC spiegelt das Potenzial eines Kindes im Bereich der Neuroplastizität wider - also die Fähigkeit des Gehirns, sich anzupassen, z.B. zu lernen, sich neu zu organisieren, sich von Verletzungen zu erholen und sich auf neue Erfahrungen einzustellen. Es wird vermutet, dass das Gehirn in der frühen Kindheit weniger spezialisiert und anpassungsfähiger ist. Dem würde im Verlauf der Kindheit eine abnehmende Kurve des SC-FC entsprechen.

Das Team unter der Leitung von Tan Ai Peng und Chan Shi Yu hat nachgewiesen, dass eine hohe Belastung mit früh erlebtem Leid und Widrigkeiten (ELA) zu einem rascheren Abfall von SC-FC zwischen viereinhalb und sechs Jahren führt. Das weist auf eine beschleunigte Entwicklung des Gehirns hin. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um einen Mechanismus, der auf Anpassung ausgerichtet ist, heißt es. Er tritt auf, wenn es zum Kontakt mit Umweltfaktoren kommt, die eine gewisse Reife erfordern.

Obwohl es sich dabei um einen Schutz gegen Widrigkeiten handelt, gibt es auch negative Auswirkungen. Langfristig führt dieser Mechanismus nämlich dazu, dass das Zeitfenster bei Neuroplastizität und adaptivem Lernen kleiner wird. Kinder, die als Kleinkinder Widrigkeiten erlebt haben, dürften vor allem in einem Alter von 4,5 bis 6 Jahren noch von frühen therapeutischen Interventionen profitieren. Grundsätzlich dürfte Ihr Gehirn aber vorzeitig altern.

Quelle: pressetext.com am 15.1.2024