Geschichte der Psychiatrie
Psychische Störungen oder auffällige Verhaltensmuster wurden bereits in der Antike beschrieben. Obwohl man zu dieser Zeit psychische Erkrankungen als Krankheiten erkannte, verstand man ihre Entstehung nicht. Deshalb beschränkten sich die damaligen therapeutischen Maßnahmen meist auf Massagen, Umschläge oder Aderlässe. Auch Jahrhunderte später waren die Kenntnisse über die Genese seelischer Störungen auf ähnlichem Niveau. Vielmehr statuierte man im Christentum im frühen Mittelalter die ersten diskriminierenden Exempel: Eine große Anzahl psychisch Kranker fiel der Hexenverfolgung, der Inquisition zum Opfer. Dessen ungeachtet wurden viele „Irre" in Einrichtungen der Kirche untergebracht, wo sie eine z.T. bessere Pflege erfuhren als in den berüchtigten Zucht-, Armen- und Tollhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts. Jegliche Form von „Unvernunft" wurde hier nicht mehr toleriert und durch Kasernierung ausgemerzt.
Der französische „Irrenarzt" Philippe Pinel (1745-1826) war Gründer des naturwissenschaftlich psychiatrischen Krankheitsmodells, das in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu Fortschritten in der Versorgung psychisch kranker Patienten führte. Aber erst im 19. und 20. Jahrhundert sorgten die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Emil Kraeplin (1856-1926), Ernst Bleuler (1857-1939), Karl Jaspers (1883-1969) und Sigmund Freud (1856-1939) für wesentlich bessere therapeutische Möglichkeiten von psychisch Kranken.
Die Bezeichnung Psychiatrie selbst geht auf Johann Christian Reil (1759-1813) zurück. Das „Pro Memoria an Deutschlands Irrenärzte" aus dem Jahr 1841 kann als „Gründungsurkunde" der heutigen „Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)" angesehen werden. Ihre ersten Statuten erhielt die Gesellschaft 1864 und nannte sich seitdem „Verein der Deutschen Irrenärzte". Im Jahre 1903 erhielt die Gesellschaft den Namen „Deutscher Verein für Psychiatrie (DVP)".
Nach Hitlers Machtübernahme erfolgte die organisatorische Vereinigung der DVP mit der „Gesellschaft Deutscher Nervenärzte" zur „Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater (GDNP)". In diese Zeit fällt das dunkelste Kapitel der deutschen Psychiatrie mit dem so genannten Euthanasie-Programm.
Als Nachfolgeorganisation der DVP gründete man 1954 die „Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Neurologie (DGPN)", die 1992 in die „Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)" umbenannt wurde.
|