Geschichte
Die neurologische Forschung begann Anfang des 19. Jahrhunderts. Da sich viele neurologische Erkrankungen in Form von körperlichen Beschwerden äußern, war die Neurologie in ihrer einen Quelle ein Teilgebiet der inneren Medizin. Die Behandlung der Erkrankungen von „Geisteskranken“ stellte hingegen schon im 18. Jahrhundert eine selbstständige Fachrichtung dar und führte zur Gründung der Psychiatrie. Da viele Erkrankungen des Gehirns auch psychische Symptome hervorrufen, war die Psychiatrie die zweite Quelle der Neurologie.
Heinrich-Moritz Romberg (1799-1873), Nicolaus Friedreich (1825-1882), Wilhelm Heinrich Erb (1840-1921) und Heinrich Quincke (1842-1922) gehörten Mitte des 19. Jahrhunderts zu den ersten Ärzten, welche die Neurologie als von der inneren Medizin unabhängige Disziplin beschrieben. Andere Forscher wie Wilhelm Griesinger (1817-1866) und Carl Westphal (1833-1890) strebten eine Verbindung der Neurologie mit der Psychiatrie an. Unter Medizinern blieb die Frage bis Anfang des 20. Jahrhunderts umstritten, ob die Neurologie als Teilgebiet der inneren Medizin oder der Psychiatrie einzuordnen ist bzw. ob sie eine eigenständige Fachrichtung darstellte.
Mit der Gründung der „Gesellschaft Deutscher Nervenärzte“ trennte sich die Neurologie 1906 erstmals offiziell als Spezialgebiet von der inneren Medizin. Hintergrund war die Überzeugung der Gründungsmitglieder, zu denen u.a. der Berliner Hermann Oppenheim (1858-1919) und Erb aus Heidelberg gehörten, dass die Internisten aufgrund der Vielfalt ihrer Aufgaben nicht mehr in der Lage seien die Nervenkrankheiten weiterhin mit abzudecken. Erb wurde zum ersten Vorsitzenden (bis 1911) der Gesellschaft gewählt, in den Jahren 1918 bis 1924 leitete der Hamburger Max Nonne (1861-1959), ein Schüler Erbs, die Gesellschaft. 1933 übernahm der Münchner Oswald Bumke den Vorsitz.
Schließlich verfügte aber die nationalsozialistische Regierung 1935 die Auflösung der Gesellschaft und ihre Vereinigung mit der Psychiatrie zu einer "Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater". Im Rückblick ist es wahrscheinlich, dass diese zunächst unverständliche Regierungsanordnung auf nationalsozialistischem Bestreben beruhte, das schließlich zum so genannten Euthanasie-Programm führte.
Nach dem Krieg leitete Heinrich Pette die neurologische Sektion der Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater bis zu deren Auflösung im Jahre 1955 weiter. 1950 gelang es Pette in Bonn die alte Gesellschaft Deutscher Nervenärzte als „Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)“ wiederzugründen. Später folgten dann die Berufsverbände Deutscher Nervenärzte (BVDN) und Deutscher Neurologen (BDN).
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