Tics sind unwillkürliche, rasche, meistens plötzlich einschießende und mitunter sehr heftige Bewegungen, die einzeln oder in Serie auftreten können. Die Bewegungen laufen oft wiederholt in immer gleicher Weise ab (stereotyp), sind aber nicht rhythmisch. Man unterscheidet zwei Tic-Arten, die motorischen (Muskelzuckungen) und die vokalen (Lautäußerungen) Tics. Die motorischen Tics äußern sich z.B. in Form von Augenblinzeln, Kopfrucken und Schulterrucken, während bei den vokalen Tics beispielsweise Räuspern, Husten, Bellen, Quieken, Grunzen oder das unkontrollierte Ausstoßen von, zum Teil obszönen, Lauten und Worten auffällt. Die Tics müssen dabei nicht gleichzeitig, sondern können auch zeitlich versetzt erscheinen. Tics treten auch während des Schlafes auf.
Tics beginnen meist im Grundschulalter, wobei die Symptome am stärksten zwischen dem 11. und 16. Lebensjahr ausgeprägt sind. Nach dem 21. Lebensjahr treten Tics extrem selten erstmals auf. Bei vielen Betroffenen bessern sich die Tics gegen Ende der Teenagerzeit, d.h. im jungen Erwachsenenalter. Gerade bei Kleinkindern gibt es auch vorübergehende Tic-Störungen, die meist weniger als ein Jahr dauern und bei denen es sich fast immer um rein motorische Tics handelt. Tic-Störungen werden daher im Grundschulalter bei 10% aller Kinder beobachtet. Bei Jugendlichen variieren die Angaben zwischen 4 und 18%. Chronische Tic-Störungen weisen 3 bis 4% aller Kinder auf.
Tic-Störungen werden eingeteilt in:
- vorübergehende Tic-Störungen des Kindesalters (Dauer weniger als 1 Jahr)
- chronische motorische bzw. vokale Tic-Störung (Dauer mehr als 1 Jahr)
- chronische kombinierte (motorische plus vokale) Tic-Störung, auch Tourette-Syndrom genannt
In Deutschland leiden mehr als 40.000 Menschen unter einem
Tourette-Syndrom (TS).
Aus bisher nicht bekannten Gründen sind Jungen wesentlich häufiger betroffen als Mädchen. Etwa 85 bis 90% aller Patienten mit TS zeigen weitere Störungsbilder wie eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder Zwangssymptome. Der psychische Leidensdruck vieler Betroffener ist aufgrund der auffälligen und nicht „gesellschaftsfähigen" Krankheitsanzeichen sehr hoch.