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Selbstverletzendes Verhalten: Online-Test hilft Hinweise zu erkennen
 
[07.12.2006] 

Selbstverletzendes Verhalten: Online-Test hilft Hinweise zu erkennen

Jeder vierte bis fünfte Jugendliche, der sich selbst Schnittwunden oder andere Verletzungen zufügt, bleibt unerkannt. Der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e. V. (BKJPP) stellt erstmals einen  Online-Test zur Verfügung, der Eltern und Angehörigen helfen soll, Anzeichen zu erkennen, die möglicherweise auf selbstverletzendes Verhalten (SVV) bzw. so genanntes „Ritzen“ hinweisen. „Betroffene Jugendliche schämen sich oft für ihr Verhalten, ziehen sich zurück und verdecken ihre Wunden mit Kleidung, so dass sie von ihrer Umgebung unbemerkt bleiben“, erklärt Dr. Christian Fleischhaker, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und  psychotherapie in Freiburg. „Da SVV meist mit vielfältigen psychischen Problemen zusammenhängt, Suchtcharakter besitzt und einige betroffene Jugendliche auch ein erhöhtes Selbstmordrisiko haben, ist es wichtig, die Notsignale von Jugendlichen frühzeitig zu erkennen und einen Kinder- und Jugendpsychiater zu konsultieren. Je schneller die Krankheit behandelt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten und desto eher kann eine Chronifizierung verhindert werden.“ Meist entdecken Eltern oder nahe stehende Menschen nur zufällig Kratzer oder Verletzungen, für die es keine plausible Erklärung gibt, da sehr viele Betroffene ihre Erkrankung oft über Jahre hinweg sehr effizient vor ihrer Umwelt verbergen. Der Test kann aufgrund von bestimmten Verletzungsmustern, Risikofaktoren und Verhaltensweisen des Kindes Hinweise darauf geben, ob es sich um SVV handeln könnte. In der Auswertung erhalten Eltern auch eine kurze Erläuterung dazu, warum ihr Kind sich evtl. „ritzt“ oder aufgrund der vorliegenden Angaben vermutlich nicht gefährdet ist.

Dramatische Zunahme von jungen „Ritzern“
Seit rund 30 Jahren beobachten Kinder- und Jugendpsychiater in Deutschland, dass sich immer mehr Jugendliche, insbesondere Mädchen und junge Frauen, mit scharfen oder spitzen Gegenständen wie Rasierklingen, Glasscherben oder Sicherheitsnadeln Wunden zufügen. Laut einer internationalen Studie verletzen sich in Europa mittlerweile zwischen 4 und 10% der 15- bis 16-Jährigen. Auch Stars wie Angelina Jolie und Lindsay Lohan sollen sich „ritzen“. „Die genauen Ursachen von SVV sind noch nicht bekannt, möglicherweise beruht es auf Störungen der Impulskontrolle und einem Mangel des Hirnbotenstoffs Serotonin, der auch bei Depressionen eine Rolle spielt“, so Dr. Fleischhaker. Der Drang, sich zu verletzen, kennt keine Grenzen und reicht von Schnittwunden über Verbrennungen, z.B. mit der Zigarette, bis hin zu selbst beigebrachten Brüchen und Verätzungen.

Körperlicher Schmerz soll von seelischem Leiden ablenken
Mit SVV versuchen betroffene Jugendliche möglicherweise ihre seelischen Leiden zu unterdrücken. Oft hatten Betroffene traumatische Erlebnisse in Kindheit und Jugend. Sexueller Missbrauch, körperliche Misshandlungen, Vernachlässigung, Konflikte und Gewalt in der Familie, Verlust eines nahe stehenden Menschen, chronische Krankheiten oder mehrfache Operationen gelten als Risikofaktoren. „Bis zu einem Viertel der Patientinnen, die wegen Essstörungen, Ängsten oder Depressionen in Behandlung sind, fügen sich selbst Schnittwunden zu. Auslöser für ‚Ritzattacken’ sind meist aktuelle belastende Ereignisse, wie Auseinandersetzungen mit Freunden oder Eltern, Mobbing bzw. Ausgrenzung in der Schule“, warnt Dr. Fleischhaker.

Hier geht's zum  Online-Test





 
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