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Angst anderer wird über die Nase wahrgenommen und löst Mitgefühl aus
 
[21.08.2009] 

Angst anderer wird über die Nase wahrgenommen und löst Mitgefühl aus

Menschen registrieren Angstzustände anderer Menschen unbewusst mithilfe des Geruchssinns und reagieren darauf mitfühlend. „Im Angstschweiß sind bestimmte Substanzen enthalten, die wir unbewusst wahrnehmen. Sie aktivieren im Gehirn Zentren, die für das Erkennen und Verstehen von Gefühlen verantwortlich oder mitverantwortlich sind“, erläutert Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) in Krefeld. Er bezieht sich dabei auf eine aktuelle Studie von Neurowissenschaftlern, Psychiatern und Psychologen der Universität Kiel, die im Online-Fachmagazin PLoS ONE veröffentlicht wurde.

Für die Studie lieferten Spender Schweißproben aus ihren Achselhöhlen, die anschließend Testpersonen zum Riechen vorgelegt wurden. Um zwischen Angstschweiß und anderem Schweiß zu unterscheiden, wurde dem Spender Schweiß zunächst kurz vor der mündlichen Abschlussprüfung an der Universität, dann während einer sportlichen Trainingseinheit am Ergometer abgenommen. Per funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) ermittelten die Forscher, welche Bereiche im Gehirn beim Riechen an den Schweißproben aktiv wurden. Der vor der Prüfung abgesonderte „Angstschweiß“ führte zu einer Aktivierung von Hirnarealen, in denen Gesichtsausdrücke und Körpersprache anderer Menschen bewertet werden – vor allem solche, die Angst vermitteln. Außerdem wurden dabei Hirnzentren aktiv, in denen Urteile über andere Personen gefällt werden und Mitgefühl entsteht. Beim Riechen von Trainingsschweiß traten diese Effekte nicht auf. Bewusst wahrgenommene Gerüche und damit verbundene Assoziationen spielten keine Rolle. Nur etwa die Hälfte der Testpersonen hatte beim Einatmen der Proben überhaupt einen Geruch entdeckt.

Von Tieren und auch Pflanzen weiß man bereits seit längerem, dass in Stresssituationen chemische Signale an Artgenossen übermittelt werden können, die Verhaltensänderungen oder physiologische Anpassungen bei diesen auslösen. Die Ergebnisse der aktuellen Studie weisen nun darauf hin, dass vergleichbare Mechanismen auch beim Menschen wirken. „Das Erkennen von Angst über den Geruchssinn geht sehr schnell. Dies hat den großen Vorteil, dass man beispielsweise so in einer Gruppe Gefahrensituationen früh erkennen und gemeinsam darauf reagieren kann“, urteilt Dr. Beil. „Auch das automatische Auslösen von Verständnis und Mitgefühl ist sinnvoll, weil es den sozialen Zusammenhalt der Gruppe stärkt.


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